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Zukunft |
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Freiheit am sanften Tropf
Über Faszination und Begeisterung darf man nicht
vergessen, dass die Wilden Pferde auch Probleme aufwerfen.
Das Gebiet um Garub liegt am Ostrand der Namibwüste.
Regen fällt wenig und nicht zuverlässig - oft
gerade genug für Sukkulenten, dornige Sträucher
und Gräser. Meist finden die Pferde genug Nahrung.
Aber immer wieder gibt es in dem Randgebiet der Namibwüste
Dürrejahre. Wie 1991/92 oder 1998/99, als die Pferde
hungerten und schwache Tiere starben. Nach dem öffentlichen
Aufschrei, der sich weit über die Grenzen Namibias
hinaus erhob, wurden Fütterungs- und Fangaktionen
gestartet. Die Maßnahmen waren mit hohen Kosten
verbunden, brachten aber nur mäßigen Erfolg
- vor allem weil sie zu spät ergriffen wurden: Viele
Tiere waren schon so schwach, dass das Futter nicht mehr
half oder sie dem Stress beim Fangen erlagen. |
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Die Pferde stellen keine Bedrohung
für die heimischen Tiere dar.
Foto: Telané Greyling |
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Ein weiteres Problem berührt Prinzipien
des Naturschutzes. Die Pferde leben zum größten
Teil im staatlichen Namib Naukluft Park, mit dem die heimische
Flora und Fauna geschützt werden soll. Die Umgebung
von Aus gilt als biologischer Hotspot - mit mehr als 500
Pflanzenarten, von denen einige lokal endemisch sind,
also nur hier vorkommen. Was wäre, wenn die Pferde
einen Störfaktor in ihrer Umwelt darstellen, der
dazu beiträgt, dass weltweit einzigartige Pflanzen
aussterben? Was bedeutet die Anwesenheit der Wilden Pferde
für den Management-Plan des Naturschutzgebietes?
Kann man sie wie Wild behandeln und sie in Jahren der
Dürre einfach ihrem Schicksal überlassen? Oder
greift man ein? Und wenn ja, wie? |
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Vor allem in Dürrezeiten überqueren
die Pferde die Teerstraße, um die Weide auf der
anderen Seite zu erreichen. Foto: Telané Greyling |
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| Diesen
und weiteren Fragen ist die südafrikanische
Biologin Telané Greyling in ihrer Doktorarbeit
zu den Wilden Pferden nachgegangen. Unterstützt
wurde sie dabei vom namibischen Ministerium für
Umwelt und Tourismus sowie vom Lodge- und Tourbetrieb
Klein-Aus Vista und dessen Partnern der Gondwana
Desert Collection. Greyling hat keine Hinweise darauf
finden können, dass die Pferde heimische Pflanzen
oder Tiere verdrängen würden. Im Gebiet
der Pferde, so ihr Befund, gebe es im Großen
und Ganzen die gleichen Arten und eine ähnliche
Anzahl an Individuen pro Art wie in nahe gelegenen
Vergleichsgebieten ohne Pferde. |
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Biologin Telané Greyling.. |
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Maßnahmen mit Augenmaß
Natürlich handelt es sich bei den Wilden Pferden
nicht um Wild wie Gemsbock oder Springbock. Denn sie sind
keine Haustiere mehr, sondern Teil der 'freien' Natur
und unterliegen deren Regeln. Der Tod schwacher Tiere
in der Dürre gehört daher zum natürlichen
Zyklus. Andererseits kann sich der Mensch nicht völlig
aus der Verantwortung stehlen. Zäune blockieren im
Osten den Zugang zu natürlichen Wasserstellen und
besserer Weide auf den angrenzenden Farmen (übrigens
auch für Gemsböcke eine Todesfalle). Und in
Dürrejahren mögen die Tiere soweit dezimiert
werden, dass der Gen-Pool leidet und Inzucht ihren Fortbestand
gefährdet. 'Ja' zu den Pferden heißt daher
auch 'Ja' zur Hege. |
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Auf einem Expertentreffen im November 2005
wurden mögliche Ziele der Hege formuliert: eine stabile
Population der Wilden Pferde gewährleisten, die Kosten
für ihre Hege möglichst niedrig halten, die
Attraktion für den Tourismus besser nutzen, mehr
Wissen über die Tiere sammeln und die Öffentlichkeit
besser informieren. |
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| Die
Kontrolle der Population setzt voraus, dass Regen,
Weide, Zahl und Zustand der Pferde regelmäßig
beobachtet werden. Als Orientierungswert für
eine stabile Population einigte man sich auf 130,
wobei die Zahl kurzfristig zwischen 80 und 180 schwanken
darf. Solche Schwankungen gab es auch in der Vergangenheit.
In den Siebziger und Achtziger Jahren wurde die
Zahl der Pferde auf 250 geschätzt, mit Errichtung
der Zäune am Ostrand des Gebietes Ende der
Achtziger Jahre ging sie stark zurück. Im Juni
1992 wurden 104 Pferde gefangen. 1993 gab es 110,
1997 wieder 149 Pferde, 1999 nur noch 89 und Anfang
2006 wieder rund 150 Tiere. |
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Der Tod schwacher Tiere gehört zum natürlichen
Zyklus.
Foto: Telané Greyling |
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Empfohlen wird von der Expertenrunde, nur
dann einzugreifen, wenn sich Krisen abzeichnen. Und auch
dann sollen die Maßnahmen in möglichst geringen
Grenzen gehalten werden. In Dürrezeiten könnte
man etwa erst einmal in einem angrenzenden Weidegebiet
eine Wasserstelle öffnen, damit der Weg zwischen
Wasser und Weide verkürzt wird. Die Pferde haben
sich zwar an die Trockenheit angepasst, indem sie länger
und ohne Stress auf Wasser verzichten können als
Hauspferde. Aber je länger der Weg zwischen Weide
und Wasser, desto mehr Energie verbrauchen sie. Verschlechtert
sich der Zustand der Pferde weiter, so soll als Zusatzfutter
Luzerne ausgelegt werden. Wichtig dabei ist, das Futter
weit zu verstreuen, denn sonst werden Konkurrenzsituationen
geschaffen, die zu Stress oder gar Kämpfen führen. |
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Auch für Fangaktionen, mit denen die
Bestände rechtzeitig im Voraus reguliert werden können,
gibt es Empfehlungen. Sie kommen erst in Frage, wenn die
Zahl der Tiere die Obergrenze von 200 erreicht. Man sollte
junge Pferde (2 bis 4 Jahre) und zu gleichen Teilen Stuten
und Hengste auswählen. Auf diese Weise werden langfristige
Störungen des sozialen Gefüges wie nach der
Aktion von 1992 vermieden, als ohne Rücksicht auf
Alter und Geschlecht mehr als 100 Tiere gefangen wurden. |
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| Dem
dritten Ziel, die Pferde als Attraktion besser zu
'nutzen', ist man bereits einen Schritt näher
gekommen. Seit Mitte 2006 können Besucher die
Tiere nicht nur am Unterstand an der Tränke
bei Garub beobachten, sondern erhalten im 20 km
entfernten Aus Info Centre viele Hintergrundinformationen.
Das Zentrum dient als Einnahmequelle für die
Gemeinschaft von Aus. In ferner Zukunft könnte
man es mit einem Forschungszentrum zu den Wilden
Pferden kombinieren - und dadurch die Ergebnisse
der Wissenschaftler an namibische und ausländische
Besucher weitergeben. |
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Die Tränke bei Garub; im Hintergrund der Unterstand
für Besucher.
Foto: Telané Greyling |
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Besucher
schützen Pferde
Im Aus Info Centre finden Gäste übrigens bereits
Hinweise, wie sie selbst zum Schutz der Pferde beitragen
können:
- Vorsicht beim Fahren auf der Teerstraße Aus
- Lüderitz.
- Bei der Tränke von Garub nicht zu nah an die
Pferde heran gehen;
- oft werden Fohlen durch
Touristen von der Mutter getrennt.
- Auch zum eigenen Schutz Abstand halten. Die Pferde
sind zwar nicht
- aggressiv, können
aber durch achtlose Bewegungen oder Tritte
- schwere Verletzungen zufügen.
- Bitte auf keinen Fall füttern. Futter sorgt für
Konkurrenzverhalten.
- Gegenseitiges Treten und
Beißen ist eine große Gefahr für Fohlen.
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© 2007 Nature Investments (Pty) Ltd |
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- Mehr Fotos unter www.namibhorses.com
- Ausführliche Pressemitteilung unter -
www.gondwana-desert-collection.com
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